Dezember 16, 2008

Aufräumarbeiten

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Der Alltag, mit all seinen Ausprägungen, ist in Athen wieder eingekehrt. Die Straßen sind bevölkert, der Verkehr ist laut, man trägt bei 18 Grad eine Sonnenbrille gegen die blendende Sonne und Taxifahrer nehmen sich gegenseitig fluchend die Vorfahrt.
Spuren der letzten Tage finden sich immer noch um die Politechnio. Zerstörte Ampeln werden ausgewechselt, Leuchtreklamen aufgehängt, Graffitis übermalt.

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So ruhig wie im Innenhof der Politechnio diesen Morgen wird es nach Meinung einiger Griechen nicht bleiben. Jeden Abend ertönt laute Musik aus dem Gelände, für morgen Abend ist eine Demonstration am Omoniaplatz angekündigt. Das wäre wieder eine passende Gelegenheit für kleinere Ausschreitungen. Auf jeden Fall seien weitere Kämpfe vor dem Wochenende zu erwarten.
In einem Laden in Exarchia erzählte ich einem Verkäufer, dass ich direkt von meinem Balkon die Gefechte zwischen Polizei verfolgen kann. Der junge Mann, etwa in meinem Alter, berichtet, dass er am letzten Samstag selbst auf der Straße war, und : „Die Kämpfe sind gut. Das ist die einzige Möglichkeit zu zeigen, dass uns die Politik in Griechenland nicht passt. Die Politiker sind hier alle korrupt, nicht so wie in Deutschland. Wirf das nächste Mal ein paar Orangen oder Flaschen nach der Polizei.“
Bis es wieder losgeht, bleibt es ruhig im Innenhof der Politechnio. Eine Griechin, die in den letzten Tagen das Gelände zweimal betrat, berichtet davon, dass sie nur ungefähr 20 vermummte Gestalten, ca. 20 Jahre alt, gesehen habe, und diese ihr nicht wie Studenten. In einem Raum habe sie beobachtet, wie mehrere Zigeuner Molotowcocktails anrührten, während deren Kinder über das Gelände liefen.

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Dezember 15, 2008

Samstägliche Demonstration am Syntagma

Nachdem in der letzten Nacht abermals keine nennenswerten Zwischenfälle gab, möchte ich hier noch Eindrücke zur Demonstration am Syntgma wiedergeben, bei der sich zahlreiche Menschen am Samstag, den 15.12..2008, nachmittags friedlich vor dem Parlament versammelten.
„Die staatliche Demokratie kann nicht weitergehen, wenn die Leidenden dafür bezahlen“ stand vergangenen Samstag in roten Lettern auf einem Plakat am Syntagma. Menschen sitzen af der Straße, diskutieren, diskutieren, spielen Gitarre. Die friedliche Demonstration wurde von der Polizei unter Kontrolle gehalten, die die Treppe zum Syntagma absperrte.

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Dezember 14, 2008

„Krise – kein Problem“

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„Krise – kein Problem“. So wirbt ein Café nur ca. 200 Meter entfernt vom Haupteingang des Poltechnikums in der Patissio. Die Krise als Alltag? Es ist ein eigenartiger Effekt, wenn Straßenschlachten, Tränengas und Molotowcocktails zu Elementen der täglichen Routine werden. Erst recht durch meinen Besuch merke ich, wie sehr man die Ausschreitungen in sein Alltagshandeln integriert und akzeptiert hat.

Der heutige Tag gebärte sich ruhig, im sonntäglichen Schalf wie an jedem Wochenende. Einige der erst wieder Instand gesetzten Läden um die Politechnio waren bei den nächtlichen Kämpfen wieder Opfer der Zerstörung. Wenige Menschen sitzen auf dem Unigelände, Feuer spenden ihnen Wärme. Nachmittags am Syntagma ist außer einer Polizeiwache und einigen Sitzstdemonstranten kein Anzeichen für Unruhen zu finden. Es scheint, als atmet die Stadt einmal tief durch. Schwere Regengüße am Abend überschwemmen die Straßen und unterbinden vielleicht auch weitere Ausschreitungen.
Morgen gibt es eine weitere Demonstration. Mal sehen wie es weitergeht.

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Dezember 14, 2008

Aufflammen der Gefechte

Wenn ich meine Balkontür öffne, zieht eine Mischung aus Tränengas und verbranntem Müll in meine Nase, an mein Ohr gelangt eine untrennbare auditive Symbiose aus Explosionen, schrillen Alarmanlagen, Schreien, Polizeifunk, dem Aufprall von Steinen auf den Asphalt und Klirren zerberstender Scheiben. Nach zwei Nächten ohne große Ausschreitungen ist das Viertel Exarchia wieder der Ort, an dem Polizei und Dolofori aufeinander treffen.
Nach Angaben weiterer Erasmus-Studenten gibt es in dieser Nacht außerdem Randale und Kämpfe mit der Polizei an der Patission, in mehreren Ecken Exarchias und am Syntagma vor dem Parlament.

Immer wieder ertönten sehr laute Explosionen aus den nächstliegenden Straßen, mehrmals bezieht eine Polizeieinheit vor unserem Haus Stellung und hält inne. Tränengas fliegt in die kleine Gruppe von Vandalen am Ende der Straßen, danach zieht die Einheit sich durch den Nebel wieder zurück.
Der McDonalds in der Patissio, der nach seiner Zerstörung heute wiedereröffnet wurde, war angeblich eine wiederholtes Ziel der Zerstörung und steht nun abermals in Flammen. Ein französischer Freund von mir berichtet, dass die Polizei in Exarchie nun bewusst die Dolofori jagt und festnimmt.

Abermals wütet eine Truppe von Protestanten hörbar durch unsere Straße, sobald die Polizei abgezogen ist. In der Luft hängt zuviel Tränengas, als dass wir uns auf den Balkon begeben können.
Es ist sehr unangenehm, sich auf sein Ohr als einziges Sinnesorgan zu zu konzentrieren, um sich eine Vorstellung vom aktuellen Geschehen zu machen.

Nachtrag vom Morgen: Die BBC berichtet als erste Nachrichteninstanz über die Vorgänge der letzten Nacht.

Dezember 13, 2008

Erneute Ausschreitungen

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Gerade noch in der Taverne in Exarchia gesessen. Während des Essens kreist die ganze Zeit ein Hubschrauber über dem Viertel, der Sound der Rotoren bricht die griechische Sirtaki-Musik. Erste schwarze Vermummte passierten durch vor den Fenstern. Die Kellner beobachten erst die Straße, und beginnen dann, Tische und Stühle ins Innere zu tragen. Immer wieder laufen junge Menschen mit Flaschen in der Hand und Schal vor dem Gesicht zur Platia Exarchia. Surreal dazu klimpert im Lokal weiterhin die griechische Bousouki vom Band vor sich hin. Lange wolle wir uns nicht mehr hier aufhalten, die plötzlich aufgekeimte Anspannung ist förmlich zu spüren.

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Nun zu Hause. Im Viertel brennen mehrere Müllcontainer, jetzt auch in unserer Straße. Zahlreiche schwarz gekleidete und vermummte Personen scharen sich um den Platz in der Mitte des Viertels. Passanten beschleunigen ihren Schritt, alle Autos verschwinden aus den Straßen. In der Seitenstraße an der Politechnio versammeln sich ebenfalls viele Personen.
Wie es aussieht, bleibt diese Nacht nicht ruhig.

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Dezember 13, 2008

„Mpatsoi – Gourounia – Dolofonoi“

„Polizisten – Mörder – Schweine“ hallte es die letzten Tagen immer wieder durch die Stadt. Doch heute ist die Straße still. Der Vormittag dieses Samstags, eine Woche nach dem Beginn der Ausschreitungen, wirkt wie ein gewöhnlicher, weiterer sonniger Dezembertag, bei dem Temperaturen bis zu 17 Grad erreichen können.
In der letzten Nacht konnte ich beruhigt schlafen, ohne größere Krawalle oder Kämpfe wahrzunehmen. Mein Besuch höhrte mehrere Geräusche, die auf kleine Auseinandersetzungen hindeuten können. Mir selbst ist nichts zu Ohren gekommen.

Dezember 12, 2008

Weitere Auseinandersetzungen an der Nomiki

Exarchia zeigte sich am Nachmittag ebenfalls so ruhig in der Nacht. Wenige Personen befanden auf dem Gelände der Politechnio, und möchten nicht fotografiert werden. Der Verkehr fährt fließend durch das Viertel, Autos parken wieder überall. Die Straßen um den Komplex waren noch nicht geräumt worden und trugen deutlich die Spuren der Gefechte der letzten Tage.

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An der Akadimias marschierte ein Polizeitrupp im Stechschritt in Richtung des Platzes hinter dem Hauptgebäude der National und Kapodistrias Universität.

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An der Rückwand des Gebäudes erheben sich Flammen und schwarzer Rauch steigt in den Himmel. Ein Löschwagen versucht, zu dem Feuer zu gelangen. Über stehen schaulustige Menschen herum, manche beschimpfen lautstark die Polizei.

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Nachde die Polizei weiter vorrückt, rennen Vermummte aus der besetzten Jurafakultät auf der anderen Straßenseite. Sie rennen auf der Fahrbahn den Polizisten entgegen und werfen mehrere Molotowcocktails. Die Polizei erwidert schließlich mit Tränengas das Gefecht.

Das Tränengas verbreitet sich in Windeseile. Sofort ist diese abartige Reaktion des Körpers wieder da: die Augen brennen und beginnen zu tränen, der Hals kratzt und das Gefühl eines Brechreizes steigt in mir empor. Gleichzeitig renne ich vor der Gaswolke davon, um nicht noch mehr von dem aggressivem Gas einatmen zu müssen. Den Brechreiz kann ich nach einigem Würgen doch noch unterdrücken, und in einer entfernten Seitenstraße kommen wir schließlich zum Stehen und können uns die Augen auswaschen.

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Nachdem der Rauch sich verzogen hat, ist zu erkennen, dass im Nomiki-Gebäude sich auf den Außentreppen zahlreiche Personen trotz des einsetzenden Regens eingefunden haben.

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Beim Verlassen des Geschehens durch die Seitenstraßen ist deutlich zu erkennen, dass die dortigen Polizisten durch die tagelangen Auseinadersetzungen geschwächt und ausgelaugt sind. Zeit für Regeneration gab es kaum, eine Zigarette muss helfen. In den umliegenden Cafés wird der nötige Gang zur Toilette erledigt, um dann wieder den Kampfhelm aufzusetzen.

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Am Parlament sind keine sichtlichen Polizeikräfte mehr aufgebaut. Der Regen spült die letzten Reste der Farbbomben vom Asphalt. Am anderen Ende des Syntagmaplatzes verbergen sich in den Seitenstraßen zwei Polizeibusse.

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Dezember 12, 2008

Eine Nacht mit Blitz und Donner

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Der Regen der Nacht prasselt literweise auf den Asphalt. Die Straßen um die Politechnio sind leer, kein markantes Biepen des Polizeifunks ertönt in den Straßen, keine Parolen hallen durch die Gassen. Nur hinter der Politechnio steht ein einzelner Polizeibus, die Polizisten haben hier Helme abgenommen und unterhalten sich. Es scheint, als wären die Krawalle ebenso hinweg gespült worden. In der Politechnio befanden sich nur wenige vermummte Gestalten, der Song „Killing in the name of“ von Rage Against The Machine erschallte aus dem Gebäude. „Fuck you, i won’t do what you tell me“ – den Soundtrack zur Revolution liefert sich diese selbst.
Aus der AUEB dringt ebenfalls laute Musik, wenige Personen befinden sich im Gebäude. Am Hintereingang werfen drei Jungs die Fensterscheiben einer Sportalage ein. Sichtlich nicht politisch motiviert, just for fun.
In den Morgenstunden verwandelt sich der Regen schließlich in eine Gewitterfront, Blitze gehen nieder, die Sichtweite aus dem Fenster beträgt nur wenige Meter.
Nun am Tag wiegt die Stadt wie gereinigt, frei von Tränengas, Rauch und Zerstörung. Es ist scheinbar völlig vorbei, vorerst. Die Probleme sind aber damit nicht hinweggespült. Für heute und die nächsten Tage sind weitere friedliche Demonstationen angekündigt (vgl. Newsticker der Süddeutschen vom 12.12.2008 um 11:07 Uhr)

Dezember 11, 2008

Die wahren Gründe für die Ausschreitungen

An der Todesstelle von Alexandros Grigoropoulos liegen Blumen und Kuscheltiere, Kerzen flackern in der Dunkelheit. Immer wieder passieren Menschen, bleiben stehen, legen Blumen nieder, schreiben Texte auf einen Zettel und heften diesen an eine Wand. An der Kreuzung zweier Fußwege in Exarchia herrscht abends betroffenes Schweigen. Ein Mädchen kann ihre Tränen nicht unterdrücken und wird von einem Freund in den Arm genommen.

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Die letzten Tage liefen im griechischen Fernsehen unter dem Titel „Chaos in Griechenland“. In vielen Berichten der internationalen Medien heißt es, die Proteste und Krawalle gehen von Studenten aus. Das Problem ist viel größer, mit der Tötung des 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos ist in diesem Land eine Blase an aufgestauter Wut und Unzufriedenheit über ein System explodiert, das vielleicht nie als wirkliche Demokratie funktionierte. Es sind nicht nur Studenten, die zu Steinen und Molotowcocktails greifen. Nach den Eindrücken der letzten Tage und vielen Gesprächen mit Griechen kristallisiert sich heraus, dass hinter den Krawallen weitaus mehr steckt als nur die reine Wut auf die Polizei. Es geht sehr viel tiefer. Es geht um ein Volk, welches zum Großteil nicht hinter seinen führenden Politikern steht. Und eine politische Elite, die sich anscheinend stärker für Selbstbereicherung interessiert, als die wachsenden Probleme der Gesellschaft wahrzunehmen.

Wer sind die Aufrüher, wer lässt seiner Aggression freien Lauf? Nicht nur Studenten, wie es in vielen Medien genannt wird. Sie sind nur ein Teil der verschiedenen Subgruppen, die zusammen einen großen Mob bilden. Es gibt kein übergeordnetes Ziel, keine konkrete politische Linie oder Forderungen, die von der Masse verfolgt werden. Kein Ideal, hinter dem alle stehen. Es gibt keinen konkreten Anführer, der für eine gemeinsame Sache spricht. Im Prinzip denkt jeder an seine eigenen Interessen. Lediglich der Kontrahent ist für nahezu alle Protestanten derselbe: der Status Quo in der griechischen Demokratie.
Auf der Straße ist es vielleicht nicht zu erkennen, aber hinter der äußeren Einheit der Vermummten verbergen sich verschiedenste Motive. Studenten machen sich Luft über unzureichende Zukunftschancen und schlechte zukünftige Verdienste, wie im Spiegel eine griechische Freundin von mir berichtet. Schüler protestieren gegen eine Hochschulpolitik, die nicht an der Förderung des Nachwuchs interessiert ist. Anarchisten und andere linksextreme Gruppen kämpfen mit der Zerstörung von Banken und Geschäften gegen den Kapitalismus, bei der Konfrontation mit der Polizei gegen die Staatsgewalt. Schlechte Rentenaussichten, ein unzureichendes Sozial- und Gesundheitssystem, polizeiliche Willkür bringen weitere Leute auf die Straße, sei es als friedlicher Demonstrant oder Steinewerfer.
Nach Berichten von Zeugen handelte es sich bei sehr vielen Plünderern weitgehendst um aus den Vororten eingefallenen Gangs und Immigranten, die bewusst bestimmte Läden anzündeten und ausraubten. Diese Gruppen haben nach den Krawallen der ersten Nacht das Nichteinschreiten der Polizei genutzt, um widerstandslos in die teueren Geschäfte einzubrechen.

Diese Vielzahl von Motiven erklärt, wieso die meisten Griechen die Wut auf der Straße verstehen können. Sie distanzieren sich teilweise zwar von der eingesetzten Gewalt, aber sie kennen die Probleme ebenso und sind selbst davon betroffen. Die älteren Generationen waren teilweise selbst bei den Aufständen 1973 dabei und wurden Zeuge von staatlicher Gewalt gegen die Bevölkerung. Das brennt sich ins Gedächtnis ein und ist noch stets präsent.

Mit nur 151 von 300 Stimmen im Parlament verfügt die konservative Regierungspartei Nea Dimokratia über eine schwache Mehrheit, der Rückhalt beim Volk ist gering. Immer wieder sind führende Politiker in Korruptionsskandale und Vetternwirtschaft verwickelt. Der Selbstmordversuch des Kulturstaatssekretärs Christos Zachopoulos im Januar 2008 war der Beginn für erneuten Unglauben vieler Griechen in ihre Regierung. In dem Sexvideo, mit dem Zachopoulus erpresst wurde, spricht er auch von illegalen Immobiliengeschäften (siehe Süddeutsche vom 12.02.2008). In den letzten Monaten wurden die Spuren weiter verfolgt und schließlich ein Untersuchungsausschuss einberufen (siehe Tagesspiegel vom 23.10.2008). Am Freitag trat nach Aussage eines Griechen der Untersuchungsausschuss das erste Mal zusammen. Einen Tag später nehmen die Krawalle im Athener Zentrum komplett die Aufmerksamkeit der Medien ein, das Thema Korruption ist erst einmal völlig vom Tisch gekehrt.
Wieso hat die Polizei nicht bewusst bei den ersten Ausschreitungen stärker durchgegriffen? Der Tod eines Jungen durch einen Querschläger und die damit verbunden Ausschreitungen können durchaus von der politischen Elite benutzt worden sein, um von diesem Skandal abzulenken. Je länger die Gefechte anhielten, desto schneller war das Thema erst einmal im allgemeinen Gedächtnis verschwunden.

Die Krawalle mögen zwar abklingen, aber die gesellschaftlichen Probleme bestehen noch weiterhin. Die Risse in der griechischen Demokratie schließen sich nicht, indem man vorübergehend von den wunden Stellen ablenkt.

Dezember 11, 2008

Das Leben geht weiter

Im Athener Zentrum wirkte es heute fast, als hätte die Stadt die Ereignisse der letzten Tage komplett vergessen. Keine (mir bekannten) Straßenkämpfe, überall fließender Verkehr und volle Gehwege, geöffnete Läden (soweit nicht zerstört), keine kreisende Hubschauber oder brennende Mülltonnen. Vor dem Parlament war von einer Polizeipräsenz nichts zu spüren, als wäre alles nur ein schlechter Traum gewesen. Doch wer mit offenen Augen umhergeht, kann die Narben der letzten Tage sehen. Eine Stadt steht wieder auf, bewegt sich aber noch auf wackligen Beinen.
Von einem völligem Ende kann noch nicht die Rede sein. Nach der entspannten Eindruck des vergangenen Tages kreist nun ein Hubschrauber seit einiger Zeit wieder über dem Viertel, die Polizei ist trotz der Reduzierung der (sichtbaren) Einheiten noch um Exarchia deutlich präsent.

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