Hey Zeus, wo gehts zum Gipfel?

Sag mir Muse, was die letzten Tage so passiert ist. Denn die waren so reichhaltig gefüllt an Aktivitäten, dass ich erst jetzt die Zeit finde alles niederzuschreiben. Die letzte Woche im Schnelldurchlauf: Mittwochabend ein chilliges Folklorekonzert des Orchesters „Estoudiantinaz“ am Meer unter freiem Himmel, Donnerstag wieder eine zähe Cultural Lesson zum Thema griechische Fabeln. Der Freitag verlangte deswegen nach einiger Entspannung, so machte ich es mir mit meinem türkischen Mitbewohner und Freunden von ihm am Strand von Perea gemütlich. Den Paralia hatten wir fast für uns allein, und beim Ziehen von einsamem Bahnen auf dem Meer hatte ich einen ziemlich hitchcockschen Moment: plötzlich füllte ein Heer von Möwen abendrote Himmelszelt und kreiste über mir. Das ist ja erst mal nichts ungewöhnliches – wenn aber so 50 bis 100 Vögel einem knapp über dem Kopf hinwegfliegen, neben einem die Wellen tauchen, einen halben Meter entfernt auf dem Wasser landen und einen anchirpen, da fühlte man sich unweigerlich an einen Filmklassiker des hitchcockschen Repertoire erinnert.

Der eigentlich Clou war allerdings ein von Erasmus aus organisierter Trip nach Dion und zum Olymp. Schon allein die Autobahnfahrt mit dem Bus zeigte wieder einige Unterschiede zu deutschen Zuständen auf Autobahnen. In Griechenland ist es kein Problem, wenn man einfach mal rechts ranfährt und für alle sichtbar uriniert. Auch Rennradfahrer auf dem Standstreifen verstoßen anscheinend nicht gegen die hiesige Straßenverkehrsordnung (bzw. niemand schert sich darum). Kleine Anmerkung am Rande: wir fahren bei den Erasmusausflügen hier stets mit DEUTSCHEN Bussen, zu erkennen an Schildern wie „Notausstieg – im Notfall bitte Scheibe einschlagen“, oder besonders unterhaltsam über dem Hinterausstieg „Zum Abort“. Einer der deutschen Busse hat sogar noch die deutsche Zeit auf der Digitalanzeige.

In Dion wurden wir dann durch einen archäologischen Park geführt, bei dem die verschiedenste Siedlungsüberreste von Makedoniern, Griechen und Römern zu finden sind. Der Park mit seiner wunderbaren grünen Pflanzenwelta (lange nicht mehr soviel grün auf einmal gesehen) zeugt von einem anderen Klima, und das nur 1,5 Stunden von Thessaloniki entfernt. Durch den nahen Olymp gibt es hier viel mehr Niederschlag, und alles kann blühen und gedeien.

Danach wurden wir zum Hotel in Leptokarya gebracht, und was das für eines war. Riesenzimmer, Klimaanlage, fettes Bad, übergroßes Bett, Flachbildfernseher mit deutschen Kanälen, Pool, direkt am Meer mit Strand gelegen. Nach 3 Wochen im Kellerloch meines Wohnheims war dies ein wahres Paradies, und man fühlte sich wirklich wie im Urlaub. Das vorhandene Angebot wurde auch ausgiebigst genutzt: ewig Beachvolleyball gespielt, im Meer rumgeschwommen, rumgelegen, ausgiebigst geduscht, ferngesehen (leider kam da nix gescheites, aber ZDF RATGEBER von der IFA und BBC mit ner Doku über Dating im Iran tut’s zur Not auch). Beim Volleyballspielen hab ich von den türkischen Mitspielern auch das türkische Wort für „Fuck“ gelernt, „Siktir“. Ist von nun an in mein Alltagsvokabular aufgenommen, und wird in ein paar Monaten in Deutschland beim Dönermann (soweit er ein echter Türke ist und kein Grieche, Italiener oder Spanier) eingesetzt.

Abends wurde in einer Taverne an der Strandausgehmeile des Ortes wieder einmal richtig schön Kulinarisches aus Hellas verdrückt, vor allem das Mousaka war wirklich ein Gedicht von einem Gericht. Mit vollem Bauch ersparte ich mir die nächtliche Beachparty und zappte noch ein wenig durchs TV, denn der nächste Tag versprach im wahrsten Sinne Großes: ein Hike auf den Olymp.

Nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel brachte der Bus meine Gruppe bis auf den höchsten mit dem Auto erreichbaren Punkt. Auf dem Weg zeigte sich die typische griechische Landschaft. Nach dem Meer spannt sich eine flache Landzunge, bis plötzlich wie aus dem nichts die höchsten Berge ersprießen. Dieser extreme Kontrast aus Meer und Gebirgslandschaft, ist wirklich ergreifend. Auch wenn der Busfahrer geschürrt ist „wie ne gsenkte Sau“, wie man in Bayern sagt. Eine Herde von Herde von Bergziegen (oder wie die Tiere auch heißen mögen) – kein Problem, einfach durchschüren und wild huppen, die Tiere flüchten sich schon hüpfend zur Seite.

Beim Ausstieg war es schon merklich kühler als am Meer, nach den hohen Temperaturen in Thessaloniki sind Werte unter 20 grad auch wirklich etwas anderes. Nach den ersten Schritten aber wurde einem schnell wieder warm.

Der Aufstieg wurde natuerlich betreut, wir hatten mehrere Guides dabei, die zu unserer Sicherheit und für den Fall einer Verletzung oder ähnlichem dabei waren. Unser Hauptguide hat den Olymp schon 57 mal vorher bestiegen, und war sowieso ein Naturtalent, übersportlich, durchtrainiert, scheinbar kaum über Schweißdürsen verfügend, und Zahnspangenträger.

In wenig mehr als drei Stunden schafften wir den Aufstieg bis zu Zolotas Refuge auf gut 2070 Meter. Für die weitere Tour bis zum höchsten Punkt bei 2917 Höhenmeter muss man leider schon erfahrener Bergsteiger mit einer viel besseren Ausrüstung sein.

Auf der Station gab es natürlich etwas zu essen und anfänglich noch einen schönen Blick Richtung Tal, allerdings hüllten recht bald die Wolken die Station und umliegenden Hänge in ein nebliges Gewand, und der Regen setzte ein. Zuerst nur Niesel, und dann für griechische Verhältnisse richtiger Regen. Einer der Angestellten der Station sagte mir, das sein der erste Regen im August. Am 31.8, achsoo. Ich dachte in den Bergen regnet es ja schon öfter. Der Regen zwang die meisten zur Flucht ins Innere das Hauses, um sich am Kamin zu wärmen. Aufgrund der Rutschgefahr verzögerte sich unser Abstieg ein wenig. Als der Regen nachließ, sind wir den Weg zurück angetreten. Und das leichte Töpfeln war dabei nicht negativ, sondern eher angenehm. Irgendwann spitzte die Sonne dann wieder durch, es nieselte noch mal kurz, und dann war man schon wieder am Bus angekommen.

Der Ausflug war wirklich absolut top, ich habe nichts zu beklagen (außer dass man sehr oft mit der ganzen Gruppe sinnlos wartet, obwohl man vorher immer wieder ermahnt wird, pünktlich zu sein). Wandern auf dem Olymp ist wirklich katapliktika, das muss ich mal irgendwann nochmal machen. Und vielleicht treff ich diesmal auf die 12 alten Goetter, die in ihrer WG dort oben hausen.

Während das Wochenende unter dem Titel „Urlaub“ stand, werde ich mich die nächsten Tage mal dem Lernen widmen. Donnerstag steht die Abschlussklausur an, und dann ist der Sprachkurs schon wieder vorbei.

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