Tränengasbomben an der polytechnischen Universität

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Zwischen ca. 22 bis 23 Uhr begab ich mich noch einmal mit meinem Mitbewohner auf die Straße, um mich nach all den lediglich auditiven Eindrücken selbst von der näheren Umgebung zu überzeugen. Der lauteste Krawall ertönte von der Polytechnio, nur ca. 50 Meter von unserem Haus entfernt. Wie die Nacht zuvor war die breite Straße frei Autos von jeglichem Verkehr. Der Radius der heutigen Zerstörung war ausschließlich vor dem Eingang des Universitätsgeländes ersichtlich. Die Polizei hielt, aufgereiht in mehrere Kleingruppen und teilweise versteckt in den Nebenstraßen, bewusst Abstand zu den sich auf der Straße befindenden Autonomen.

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Es war stets das gleiche „Spiel“, immer wieder wagte sich eine kleinere Gruppe von Autonomen aus dem Gelände der Universität, um mit Steinen nach der Polizei zu werfen und kontinuierlich „Malakes“ (griechisch für: „Wichser“) und Ähnliches zu rufen. Die Polizei rückte darauf, ausgerüstet mit kleinen Feuerlöschern und Tränengasbomben, einige Meter auf die meist schwarz gekleideten Autonomen zu, die sich darauf wiederholt im Eingangsbereich der Universität zurückzogen. Auch die Polizei trat wieder den Rückzug an, und das Spiel began erneut.

Sehr auffällig herbei war, dass die Polizei anscheinend momentan unter der Auflage agiert, möglichst jede direkte Konfrontation mit den Autonomen zu vermeiden.

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Einige Male wurde dieser Ablauf des Vor- und Zurückweichens exerziert, bis schließlich die Autonomen ca. 150 Meter entfernt an einem Seitenausgang der Universität in Parodos Stourani, einer Nebenstraße der Patisso, ihre Welle der Zerstörung mit dem Anzünden von Müllcontainern und dem Einschlagen von Schaufensterscheiben fortsetzten. Die Polizeieinheiten zogen darauf größtenteils auch in diese Richtung ab.

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Auf dem Rückweg zu unserem Haus, bei dem wir bewusst nicht den direkten Weg, sondern zur Vermeidung der Involvierung einen weiten Bogen liefen, fanden wir eine Polizeieinheit direkt in der Straße vor unserem Haus. Nach dem Zünden von Tränengasbomben in einer Seitenstraße bemerkten die Polizisten das Fotohandy meines Mitbewohners. In einem sehr aggressivem Tonfall schreiend kamen sie rasch auf uns zu. Das Griechische war für mich unverständlich, aber auch über das Englisch meines Mitbewohners half nichts. Bedingt durch die sehr schnell heraneilende Gaswolke schossen mir die Tränen in die Augen und ich versuchte dabei „blind“, in schlechtem Griechisch nur die reinste Wahrheit mitzuteilen, nämlich dass wir hier wohnen und Erasmus-Studenten sind. Die Polizisten zwangen meinen Mitbewohner, seine Handyvideos zu löschen, während ich meinen Foto noch schnell zuvor in meiner Gesäßtasche verschwinden lassen konnte. Als ich zum Erbrechen ein paar Schritte zur Seite wich, folgte mir ein Polizist, wohl um sicher zu gehen, dass ich nicht doch zu den Autonomen zähle. Schließlich erkannten die Polizei dann doch, dass von uns keine Gefahr ausgeht und ließ uns nach dem Löschen der Videos meines Mitbewohners ziehen. Zügig und unter Tränen begaben wir uns zurück in unsere Wohnung.

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