Aufflammen der Gefechte

Wenn ich meine Balkontür öffne, zieht eine Mischung aus Tränengas und verbranntem Müll in meine Nase, an mein Ohr gelangt eine untrennbare auditive Symbiose aus Explosionen, schrillen Alarmanlagen, Schreien, Polizeifunk, dem Aufprall von Steinen auf den Asphalt und Klirren zerberstender Scheiben. Nach zwei Nächten ohne große Ausschreitungen ist das Viertel Exarchia wieder der Ort, an dem Polizei und Dolofori aufeinander treffen.
Nach Angaben weiterer Erasmus-Studenten gibt es in dieser Nacht außerdem Randale und Kämpfe mit der Polizei an der Patission, in mehreren Ecken Exarchias und am Syntagma vor dem Parlament.

Immer wieder ertönten sehr laute Explosionen aus den nächstliegenden Straßen, mehrmals bezieht eine Polizeieinheit vor unserem Haus Stellung und hält inne. Tränengas fliegt in die kleine Gruppe von Vandalen am Ende der Straßen, danach zieht die Einheit sich durch den Nebel wieder zurück.
Der McDonalds in der Patissio, der nach seiner Zerstörung heute wiedereröffnet wurde, war angeblich eine wiederholtes Ziel der Zerstörung und steht nun abermals in Flammen. Ein französischer Freund von mir berichtet, dass die Polizei in Exarchie nun bewusst die Dolofori jagt und festnimmt.

Abermals wütet eine Truppe von Protestanten hörbar durch unsere Straße, sobald die Polizei abgezogen ist. In der Luft hängt zuviel Tränengas, als dass wir uns auf den Balkon begeben können.
Es ist sehr unangenehm, sich auf sein Ohr als einziges Sinnesorgan zu zu konzentrieren, um sich eine Vorstellung vom aktuellen Geschehen zu machen.

Nachtrag vom Morgen: Die BBC berichtet als erste Nachrichteninstanz über die Vorgänge der letzten Nacht.

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