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Schüsse auf einen Polizisten

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In der letzten Nacht schossen Unbekannte auf einen Wachpolizisten vor dem Kultusministerium im Athener Viertel Exarchia. Der Mann wurde lebensgefährlich verletzt, zahlreiche Personen bei einer anschließenden Fahndung von der Polizei festgenommen.
Persönlich habe ich davon letzte Nacht nichts mitbekommen, nur die Absperrung der Straße am Abend verwies auf das Geschehen.

Verschiedene Artikel zum Nachlesen:
Spiegel
Süddeutsche
Tagesschau
BBC

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Kala Christujenna

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Die letzten vorweihnachtlichen Tage scheinen das die Lage zu beruhigen, seit Sonntagmorgen gab es keine mir bekannten Vorkommnisse.
Ich selbst wünsche allen Lesern ein frohes Fest, danke für die große Aufmerksamkeit in den letzten Wochen. Für die nächsten drei Tag wird hier wahrscheinlich kein Eintrag erscheinen, da ich den heiligen Abend in Thessaloniki verbringen werde. Aber es ist davon auszugehen, dass nächstes Wochenende wieder zu kleinen Ausschreitungen um die Politechnio herum kommen könnte.
Die Stadt selbst geht völlig im Konsumrausch auf. Die wiedereröffneten Läden in der Ermou werden von Kaufwilligen bevölkert, als wäre vor zwei Wochen hier nichts passiert.

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Keine weiteren Vorkommnisse

Von der Polizei ebenso wie von den Randalierern der letzten Nacht war tagsüber nichts mehr zu sehen. Die Politechnio war, zumindest auf den Außenhöfen, fast leergefegt. Nur eine Prise Tränengas in der Luft referierte auf die letzte Nacht, ebenso unzählige Glassplitter der geworfenen Molotow-Cocktails. Die ausgebrannten Mülltonnen dienten wieder ihrer eigentlichen Funktion als Abfallbehälter.

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Weitere Unruhen am Samstag

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Auch nach zwei Wochen sind die Aufstände um die Politechnio noch nicht beendet, wie die heuteige Nacht zeigt. Gegen 22.00 Uhr am Abend begannen die ersten Unruhen im Viertel. Mehrere kleine Feuer brannten, die Polizei marschierte auf.
Seit ca. 23 Uhr durchbrechen immer wieder Explosionen um die Politechnio die Nachtruhe. In meiner Straße kommt es wiederholt zu Gefechten zwischen Polizei und Protestanten (siehe Videos). „Malakes“-Rufe sind ebenso zu hören wie laute Musik aus der Politechnio. Der grüne Strahl eines Laserpointers wandert von Seiten der Randalierer immer wieder durch die Straßen. Abermals treibt das allgegenwärtige Tränengas mich zurück in Wohnung.

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Ein Polizeitrupp hält konstant Stellung an der Kreuzung unter meinem Balkon. Ein weißer Kombi fährt heran. Ein Mann in Zivil steigt aus, einer der Polizisten läuft auf ihn zu. Das Visier wird hochgeklappt und der scheinbare Zivilpolizist hantiert, unkenntlich aus meiner Perspektive, im Gesicht des anderen. Eine Nebelgaswolke zieht schließlich schnell durch die Straßen und umgibt auch das Auto, der Zivilbeamte steigt schnell ein und fährt davon.

Nachtrag: Mehr Details über die Ereignisse der vergangenen Nacht bei der BBC und dem Spiegel.

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Wiederholt gesperrte Straßen

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Gestern Nachmittag unternahm ich einen Besuch bei meinem besetztem Institut, dem Departement of Mass Communication and Mass Media. Da die Fakultät kein eigenes Gebäude besitzt, sind Büro und Unterrichtsräume auf verschiedene Orte im Zentrum Athens verteilt. Vorlesungen werden in Nomiki, der nun besetzten juristischen Fakultät, abgehalten, Seminare finden zum Großteil in einer Seitenstraße der Ermou, nahe am Syntagma, statt. Zu letzterem begab ich mich, um mir selbst ein Bild von der Lage zu machen.
Im Foyer saßen ungefähr 10 Studenten, sie redeten laut und durcheinander. Ich wurde beim Passieren keines Blickes gewürdigt. Zwei Stockwerke höher wurde ein Unterrichtsraum zur Notunterkunft umfunktioniert, mehr als 20 Schlafsäcke lagen auf dem Boden verteilt. An den sonst weißen Wänden des Gebäudes prangerten Parolen in dicken schwarzen Lettern. Der Aufenthaltstraum für Studenten, der mit seiner Einrichtung wirkt wie eine Mischung aus Asta-Büro, Partykeller und Spielwiese, ist vorübergehend die „Zetrale“ der Katalipsi. In den nächsten Tage werden hier Papiere gefaltet und Diskussionen ausgetragen werden. Die Atmosphäre ist entspannt. Ein Junge wirft immer wieder einen Ball gegen die Wand und fängt ihn, man trinkt Bier, gegen 14 Uhr am Nachmittag. Von politischer Anspannung ist hier nichts zu erkennen. Die Szenerie wirkt wie eine Klassenfahrt unter Freunden, Getränke werden fein säuberlich mit einer Strichliste abgerechnet, Zigaretten geraucht und Witze gerissen. Sobald die Gesprächsthemen vom Privaten ins Politische abgleiten, sind die meisten Studenten doch schnell hellhörig diskutierend bei der Sache.
Bis zum 8. Januar werde man das Haus besetzten, dann werde über weiteres Fortschreiten entschieden. Nach zweimaligen Besetzungen in den letzten Jahren, im Frühjahr 2005 und Sommer 2007, sind die meisten Studenten das Procedere gewohnt und sehen auch kein Problem darin, hier im Gebäude länger auszuharren. Man erzählt mir, dass sich hier pro Nacht mindestens 15 Leute aufhalten, tagsüber wechseln die Zahlen zwischen 20-40 Besetzern. Der Unterrichtsbetrieb vor Weihnachten fällt komplett aus. Jeden Tag um 16 Uhr gibt es eine Versammlung der Studierenden des Instituts, um die Neuigkeiten des Tages auszutauschen und zu debattieren. Zu den anderen besetzten universitären Gebäuden hält man Kontakt, jedoch agiert jede Einrichtung autonom und unabhängig der anderen. Gewaltbereit ist man hier scheinbar nicht, allerdings nimmt man jede Möglichkeit wahr, auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren. „Das Ganze hier ist die einzige Möglichkeit, um zu zeigen, dass uns das hier alles nicht passt“, raunt einer der älteren Studenten, und mit einem verschmitzten Grinsen fügt er hinzu: „Wenn ich ehrlich bin, verändern wird sich sowieso nichts. Die Probleme werden bleiben.“
4200 Tränengasbomben soll die Polizei in Athen innerhalb einer Woche gezündet haben. Den vorübergehenden Mangel an Tränengas habe die Regierung mit Einkäufen in Israel behoben. Die Polizeigewalt hält man auch hier für viel zu hoch, Tränengas werde hier bei fast jeder Demonstration eingesetzt. Natürlich ist die Polizei zu gewalttätig (siehe Bericht der BBC) – aber man kenne es gar nicht anders. Nach Meinung eines Studenten war die Polizei die letzten Tage „meist unsichtbar, doch sie war da“, für die nächsten Tage rechne man hier ebenso mit weiteren kleinen Ausschreitungen: „Es wird was passieren, vielleicht morgen, vielleicht übermorgen, wer weiß.“

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Heute versammelte sich mittags eine Schülerdemonstration am Omoniaplatz und zog schließlich friedlich Richtung Syntagma. Den abgebrannten Weihnachtsbaum hat man dort durch einen Neuen ersetzt.
Später kam es doch zu Auseinandersetzungen und Angriffe auf die Polizei in der Nähe des Parlaments. Tränengas wurde ebenfalls eingesetzt, wie die BBC und der Spiegel berichtet.
Die roten Farbspuren am Syntagma zeugten auch ca. eine Stunde nach den Kämpfen von den Ausschreitungen. Reinigungskräfte begannen die Spuren zu beseitigen. Die Akadimias wurde komplett von der Polizei gesperrt, am Syntagma und Omonia konnte ich die Ankunft mehrerer Polizeibusse beobachten. Auch der kreisende Hubschrauber ist nun zurückgekehrt.

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Aufflammen der Gefechte

Wenn ich meine Balkontür öffne, zieht eine Mischung aus Tränengas und verbranntem Müll in meine Nase, an mein Ohr gelangt eine untrennbare auditive Symbiose aus Explosionen, schrillen Alarmanlagen, Schreien, Polizeifunk, dem Aufprall von Steinen auf den Asphalt und Klirren zerberstender Scheiben. Nach zwei Nächten ohne große Ausschreitungen ist das Viertel Exarchia wieder der Ort, an dem Polizei und Dolofori aufeinander treffen.
Nach Angaben weiterer Erasmus-Studenten gibt es in dieser Nacht außerdem Randale und Kämpfe mit der Polizei an der Patission, in mehreren Ecken Exarchias und am Syntagma vor dem Parlament.

Immer wieder ertönten sehr laute Explosionen aus den nächstliegenden Straßen, mehrmals bezieht eine Polizeieinheit vor unserem Haus Stellung und hält inne. Tränengas fliegt in die kleine Gruppe von Vandalen am Ende der Straßen, danach zieht die Einheit sich durch den Nebel wieder zurück.
Der McDonalds in der Patissio, der nach seiner Zerstörung heute wiedereröffnet wurde, war angeblich eine wiederholtes Ziel der Zerstörung und steht nun abermals in Flammen. Ein französischer Freund von mir berichtet, dass die Polizei in Exarchie nun bewusst die Dolofori jagt und festnimmt.

Abermals wütet eine Truppe von Protestanten hörbar durch unsere Straße, sobald die Polizei abgezogen ist. In der Luft hängt zuviel Tränengas, als dass wir uns auf den Balkon begeben können.
Es ist sehr unangenehm, sich auf sein Ohr als einziges Sinnesorgan zu zu konzentrieren, um sich eine Vorstellung vom aktuellen Geschehen zu machen.

Nachtrag vom Morgen: Die BBC berichtet als erste Nachrichteninstanz über die Vorgänge der letzten Nacht.

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Erneute Ausschreitungen

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Gerade noch in der Taverne in Exarchia gesessen. Während des Essens kreist die ganze Zeit ein Hubschrauber über dem Viertel, der Sound der Rotoren bricht die griechische Sirtaki-Musik. Erste schwarze Vermummte passierten durch vor den Fenstern. Die Kellner beobachten erst die Straße, und beginnen dann, Tische und Stühle ins Innere zu tragen. Immer wieder laufen junge Menschen mit Flaschen in der Hand und Schal vor dem Gesicht zur Platia Exarchia. Surreal dazu klimpert im Lokal weiterhin die griechische Bousouki vom Band vor sich hin. Lange wolle wir uns nicht mehr hier aufhalten, die plötzlich aufgekeimte Anspannung ist förmlich zu spüren.

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Nun zu Hause. Im Viertel brennen mehrere Müllcontainer, jetzt auch in unserer Straße. Zahlreiche schwarz gekleidete und vermummte Personen scharen sich um den Platz in der Mitte des Viertels. Passanten beschleunigen ihren Schritt, alle Autos verschwinden aus den Straßen. In der Seitenstraße an der Politechnio versammeln sich ebenfalls viele Personen.
Wie es aussieht, bleibt diese Nacht nicht ruhig.

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